Glacier Cruise MS Westerdam

Alaska Cruise

Alaska? Was gibt’s denn da außer Fischen und kauzigen Fischern? Warum wollt ihr ausgerechnet nach Alaska, da ist es doch auch im Sommer kalt. Falsch gedacht – wir übrigens auch. Die Wintergarderobe blieb im Koffer. Von Seattle …

… und Vancouver stechen Schiffe in See, die in einer Woche die kaum besiedelten Küsten Südwest-Alaskas und die Inside Passage der Glachier Bay ansteuern. Die MS Westerdam legte an einem Samstag von Seattle ab.

Alaska Cruise auf der MS Westerdam

Und was für ein Samstag in Seattle – 28°C und Sonne satt. Früh schlenderten wir noch über den berühmten Pike Place Market und gönnten uns einen Rundumblick von der 73. Etage des Observation Tower im Columbia Center, die Space Needle wollten wir uns aufheben für die Tage nach der Cruise. Nach dem Dinner ertönte das Nebelhorn und das blieb die ganze Nacht so. Na super – Nebel auf dem Weg zu den Naturschönheiten, wir machten uns Sorgen, ob wir überhaupt irgendetwas zu Gesicht bekämen. Aber das bekamen wir. Am nächsten Morgen war der Nebel verschwunden und hunderte Delfine tauchten vor unserem Balkon auf. Ab da sahen wir immer wieder Wale und verabredeten, uns gegenseitig nur noch zu informieren, wenn der Wal ganz nah ist und mit der Flosse winkt. Mit Spa, Whale- und Peoplewatching verging der Seetag wie im Fluge und am nächsten Mittag legte das Schiff im Hafen von Juneau an.

Juneau, die Hauptstadt von Alaska empfing uns mit Regen. Dieser verzog sich aber bald und die Sonne kam raus. Für den Rest unserer Reise sollte dies der einzige Regenschauer bleiben. Juneau ist eine reine Verwaltungsstadt und zudem eine der größten der Welt, allerdings nur in der Ausdehnung, liegt doch in ihrer Mitte der Mendenhall Gletscher. Am Hafen gibt es ein uriges Lokal, the Hangar, dort bekommt man echtes Alaska Food in riesigen Portionen, frisches Bier, große Pötte Kaffee und freies WiFi. Ansonsten gibt es nur Ausrüstungsläden, Souvenirshops mit Schmuck und Tinnef, sowie einen tollen Laden mit Alpakasachen und den Store der Alaska Brewery, die leckere Biere braut. Beer from the last frontier – so nennt die Alaska Brewery ihre weltweit prämierten Biere. Das Alaskan Summer, ein Kölsch Style Ale wird nur zwischen April – September gebraut. Alsakan Amber, ein Alt-Style Ale wurde unser Lieblingsbier. Dazu gibt es eine ganze Reihe weiterer interessanter Biere.

Am Abend entschlossen wir uns noch zu einer Walbeobachtungsfahrt, was eigentlich überflüssig war, denn vom Schiff aus haben wir mehr Wale gesehen. Auf dem Weg besuchten wir den Mendenhall Gletscher und sahen eine Menge Weißkopfseeadler. Der Höhepunkt des Tages aber, wartete auf einem Baum auf uns – ein Urson, ein Baumstachelschwein. Die Tiere sind sonst sehr scheu, aber das Weibchen hatte ein Baby und musste fressen. So sieht in Alaska ein Bad Hair Day aus – macht nichts, wir fanden das Tier großartig und unsere Whale Watching Tour wurde doch noch ein voller Erfolg.

Am folgenden Tag war Scenic Cruising angesagt, sozusagen Seetag mit Sightseeing. Wir ließen uns überraschen und es wurde ein fantastischer Tag. Das Schiff fuhr ganz langsam in die Glacier Bay ein. Dort kamen ein Ranger und ein Mitglied der Tlinglit an Bord, um die Kultur und das was wir sahen, zu erklären. Drei Gletscher fuhren wir an, einer grandioser als der andere. Ein wahrer National Geographic Moment erwartete uns am Hubbard Gletscher. Alle Passagiere waren an Deck aber doch war es ganz ruhig, der Gletscher funkelte eisblau majestätisch in der Sonne – ein Einmal-im-Leben Anblick. Passenderweise wurde auf dem Vorderdeck Champagner ausgeschenkt. Dazu gab es Käse, Trauben und Cracker – den Lunch haben wohl viele gerne verpasst an diesem wunderbaren Tag. Unser Schiff hatte inzwischen die nördlichste Position erreicht – 59-02.6 N 137-03.0 W. Am Nachmittag verabschiedeten sich die Nationalparkranger und wir glitten wieder aus der Bucht auf dem Weg nach Sitka, wo wir am frühen Morgen eintrafen.

In Sitka schien die Sonne und ein Tlingit-Guide fuhr uns durch die kleine und fast unwirklich wirkende Stadt. Wir besuchten das Raptor Center und lernten die wohl süßeste Eule der Welt kennen, die dort im Sekretariat aushilft. Ins Raptor Center werden verletzte und kranke Raubvögel aus den ganzen USA gebracht. Die meisten können wieder ausgewildert werden. Dafür gibt es das spezielle Bald Eagle Flight Training Center, wo die Vögel wieder fliegen und jagen lernen. Wer zu krank oder verletzt ist, darf für immer bleiben. Dass das so ist, dafür sorgen Freiwillige und Spender aus der ganzen Welt. Aus dem Nationalpark habe ich dieses Rezept für Lachsaufstrich mitgebracht.

Auf dem Rückweg sorgte unser Guide für meinen persönlichen Aha-Effekt auf dieser Reise. Er gab mir Huckleberries zum Probieren und mir wurde schlagartig klar, dass Huckleberry keine Erfindung von Mark Twain ist, sondern dass er den Held meiner Kindheit nach einer roten Beere, die hier im Norden wächst, benannt hat. Von jetzt an war ich auf der Suche nach Huckleberries und Huckleberry-Rezepten. Am Nachmittag spazierten wir durch das schöne Städtchen. Ein wenig erinnert es an Disneyland, alles ist in tadellosem Zustand und überhaupt nicht rau, wie wir uns Alaska vorstellten. Im Gemeindehaus der Native American Brotherhood aßen wir lecker Fish’n Chips bei Alaska Today und genossen die unkomplizierte Atmosphäre. Es gibt 2 Sorten Fisch – Halibut und Rockfish, teuer oder preiswert, Crab Cakes und hausgemachten Cole Slaw. Tee und  Kaffee aus einer Uralt-Kaffeemaschine gibt’s gratis dazu. Der Fisch ist lokal gefangen und super frisch. Gegessen wird an großen runden Plastiktischen. An der Wand hängen Bilder einer beinahe untergegangenen Kultur. Beim Ablegen des Schiffes umrundet noch ein Bald Eagle das Schiff.

Das Publikum auf dem Schiff ist durchweg amerikanisch, wenige Südamerikaner, Hawaiianer und nur ganz wenige Europäer. Das Unterhaltungsprogramm war nicht unser Ding, aber das ist es auf Schiffen nie. Dafür gibt es auf der MS Westerdam viele kleine Inseln, wohin man sich verkrümeln kann. Auf dem Promenadendeck stehen bis spätabends die Liegestühle und es gibt einige ausgezeichnete Bars. So die Pinnacle Bar mit dem immer gutgelaunten Jonathan und seinen Spitzencocktails. Besonders hat es uns auch das Martini Sampling mit Richard angetan. Jeden Abend um 6 gibt es in der Atrium Bar eine besondere Vorstellung. Mr. Rodriguez ist nicht nur ein exzellenter Bartender sondern auch ein großer Entertainer. Seine Martini Neukreationen sind echt lekker und leicht nachzumachen, wie dieser Glacier Drop Martini, denn die Rezepte gab es immer obendrauf.

Am nächsten Morgen geht es wieder früh raus. Heute wollen wir Schwarzbären sehen und tatsächlich schon nach wenigen Minuten im Regenwald auf einer Hängebrücke kommen die ersten Gourmetbären zum Lachsbuffet. Die Schwarzbärin hat zwei Junge dabei und sie müssen den reich gedeckten Tisch nur abräumen. Die Lachse wurden vor zwei Jahren in diesem Creek geboren. Sie haben eine weite Reise im Ozean hinter sich und kommen nun genau hierher zurück, um zu laichen und dann zu sterben. Dieses gruselige Naturschauspiel fasziniert uns noch mehr, als die Bären. Manche der Fische wirken noch so kräftig, doch sie schaffen es nicht weiter nach oben. Einige schlagen mit dem Schwanz im Todeskampf, andere beißen um sich. Im Fernsehen habe ich das schon oft gesehen, aber hier keine 5 Meter von den Lachsen und Bären entfernt, ist es eine einschneidende Erfahrung. Heute ist uns zum ersten Mal nicht nach Lachsessen. Wir verarbeiten das Erlebte mit einem Martini von Jonathan und freuen uns auf viele Wale morgen auf der Fahrt nach Süden. So verabschieden wir uns von Alaska, seiner atemberaubenden Natur und seinen freundlichen Menschen – Thank you und Gunalchéesh! Mehr Tlingit und native voices of Glacier Bay auf facebook.com/NativeGlacierBay

Die Wale bleiben uns verwehrt, es ist neblig und es bleibt neblig. Aber wir haben ja schon so viele Wale gesehen und sind versöhnt, schlafen lange und viel und abends gehen wir in Victoria von Bord. Von Victoria, der kanadischen Stadt in British Columbia hatte ich gar keine Vorstellung. Wir sind begeistert. Eine viktorianische Stadt mit Gärten und Alleen begrüßt uns. Alles ist zu Fuß zu erreichen und wir erkunden die Hauptstraßen an diesem warmen Sommerabend, den schönen Hafen, das sagenumwobene Fairmont Empress Hotel, dessen Glanz ein wenig zu blättern scheint und wir essen lecker Fish’n Chips und ein sündhaft leckeres Rosmarinhühnchen bei Bard & Bankers, einem Pub mit bestimmt 20 Biersorten auf der Karte. Die meisten wie immer aus lokalen Mikrobrauereien. Victoria ist ein gelungener Abschluss an ein eine erlebnisreiche Reise in die Natur und bringt uns der Großstadt Seattle wieder näher, die uns morgen erwartet.

Warum also Alaska? Wir wussten es vorher selbst nicht und ahnten nicht, welche Schönheit, Lebensfreude und kulinarischen Genüsse uns erwarten würden. Ich wollte einen Bären, einen Wal und einen Weißkopfseeadler sehen. Am Ende habe ich die Wale und Adler nicht mehr gezählt und Bären waren es 5. Die meisten der Siedlungen Alaskas sind nur aus der Luft oder übers Meer erreichbar. Eine Kreuzfahrt ist also fast die einzige Möglichkeit, diese Gegend zu besuchen. Perfekt wird das in Kombination mit Seattle und Umgebung.

 

Ein Kommentar zu “Alaska Cruise
  1. Diana

    Einmalige Bilder und Erzählungen aus Alaska hast Du zusammengestellt, ich bin neidisch. Vielen Dank, für diesen wundervollen Traum … Liebe Grüße Diana

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>