Culinarium Domäne Dahlem

Culinarium Domäne Dahlem

Die Domäne Dahlem hat als Berliner Institution eine eingefleischte Fangemeinde. Mit der sanften Umgestaltung und Modernisierung erhält das Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur nun ein durchgängiges …

… Konzept. Ich bin sicher, so wird sie viele neue Besucher gewinnen und die Stammgäste nicht verlieren. Die neueste Attraktion ist das Culinarium, eine mehrfach ausgezeichnete interaktive Dauerausstellung über die Kulturgeschichte der Ernährung.

Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen im frisch sanierten Pferdestall. Die interaktive Reise „Vom Acker bis zum Teller“, führt vom Jahr 1850 bis in unsere heutige Zeit. Die Exponate und Installationen sind liebevoll zusammengestellt und durchgängig mit deutschen und englischen Erklärungen mal als Text, mal als Film oder Audiofile versehen. Ein rotes Band, die Kinderspur mit kindgerechten Erklärungen durchzieht die Ausstellung.

Culinarium Domäne Dahlem – „Vom Acker bis zum Teller“

Gleich zu Beginn wartet eine Kuh darauf, gemolken zu werden und die berühmte Frage „Woher kommt die Milch?“. An der Wand hängen Portraits von Kühen. Jede für sich eine Schönheit und Persönlichkeit. Das Buch dazu „All Ladies“ kann man im Museumsshop kaufen. Dann geht es um das Fleisch. Hier befinden sich die Startknöpfe für die Audioerklärungen in einer Höhe, wo Kinder sie nicht erreichen können. So können die Eltern selbst entscheiden, ob ihre Kinder das hören sollen oder nicht. Natürlich widmet sich die Ausstellung großzügig dem Thema Gemüse, ist das doch eines der Hauptprodukte der Domäne.

Auf der 1. Etage geht es um die Geschickte des Einkaufens mit einem Kapitel über den Kaufmannsladen. Besonders schön finde ich das alte Anschreibebuch, der Beginn der bargeldlosen Bezahlung. Weiterhin geht es um die Bedeutung des gemeinsamen Essens, anschaulich erklärt an einem gedeckten Tisch. Jeder Platz ist anders eingedeckt. An einem Platz liegen Aluminiummesser- und Gabeln und dazu lauscht man der Unterhaltung zweier Arbeiter in einer Ostberliner Kantine von 1970. An einem anderen Platz wird man Zeuge dessen, was die Kriegswitwe und ihre Nichte 1918 bewegt. Ein Teeglas steht  für die türkischstämmige Familie im Westberlin der 80er Jahre.

Hier habe ich gelernt, dass auch Erlebnisgastronomie nichts Neues ist. Im „Haus Vaterland“ am Potsdamer Platz gab es schon seit 1928 verschiedene Themenrestaurants, wie das Türkische Café, die Spanische Bodega und die sehr beliebte Rheinterasse. Durch Gucklöcher an der gemalten Fassade kann man der Szenerie beiwohnen. Des Weiteren wird die Geschichte des Fast Food beleuchtet oder die der Konservierung. Zum Schatz der Ausstellung gehört ein gut erhaltenes Spargelglas von 1916. Ob der Spargel schmeckt, ist nicht mehr wichtig bei seiner schönen Geschichte. Eine Familie hat es über den ersten Weltkrieg gebracht und auch danach nicht angebrochen. Dann kam der Zweite Weltkrieg und wieder wurde es eisern verwahrt. Das Glas wurde zum Symbol der Hoffnung. Im kommenden Jahr wird es 100 Jahre alt – wenn das nicht der Grund für ein Spargelfest ist.

Im Dachgeschoss befindet sich ein Erlebnisbereich für Kinder mit viel Platz zum Toben und Entdecken. Die Ausstellungsräume können für Veranstaltungen gemietet werden. Das Gastronomiekonzept reicht vom Catering bis zur Möglichkeit, ein mitgebrachtes Picknick zu genießen. Im Herrenhaus der Domäne Dahlem entsteht gerade eine modern inszenierte Ausstellung über den Alltag von damals, unter anderem ein historischer Kaufmannsladen, eine historische Fleischerei sowie ein Lebensmittellabor aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt.

Die Domäne Dahlem ist die Anfahrt wert, kann man doch den ganzen Tag hier verbringen. Neben den Ausstellungen kann man bei der ökologischen Landwirtschaft zusehen oder auch Handwerkern wie der Vergolderin Anja Isensee und dem Schmied Torsten Theel über die Schulter blicken. Besonders die Rettung alter Gemüsesorten hat es den Betreibern angetan. Im neu eröffneten Hofladen der Domäne kann man gleich Pastinaken, Rettich oder frisches Brot mitnehmen. Dass hier alles biodynamisch ist, versteht sich von selbst.

Culinarium Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 49, 14195 Berlin
Öffnungszeiten: täglich außer montags 10:00 bis 17:00 Uhr

Bild: QIEZ – ©Trieba

 

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