Madeira Blumeninsel

Kanaren Kreuzfahrt

Was gibt es Schöneres, als den Winter zu verkürzen? Eine Woche waren wir auf der Mein Schiff 1 im Atlantik unterwegs. Stationen waren Madeira und die Kanareninseln La Palma, Teneriffa und Fuerteventura. An einer Seereise mag ich …

… besonders den Komfort,  in kurzer Zeit verschiedene Orte besuchen zu können und dabei das Gepäck nicht ständig hin- und herschleppen zu müssen. Das gute Essen, die gepflegten Cocktails und die Verwöhnangebote im Spa – das sind ebenso gute Gründe, in See zu stechen.

Kanaren Kreuzfahrt auf der Mein Schiff 1

In den Häfen kann man individuell oder in der Gruppe von Bord gehen und Land und Leute kennenlernen. Natürlich bekommt man von den angelaufenen Orten nur einen oberflächlichen Eindruck. Oft aber, gibt genau der den Anstoß, wiederzukommen und tiefer einzutauchen. Da sehr viele Menschen an Bord sind, ist es wichtig, Rückzugsorte zu haben. Deshalb ist mein wichtigster Tipp für alle, die es auch einmal probieren wollen: nehmt eine Balkonkabine. Wenn einem der Trubel an Bord zu viel wird oder, wie auf einem deutschen Schiff unvermeidbar, die Liegen mit Handtüchern besetzt sind, kann man sich jederzeit zurückziehen und es sich auf dem Balkon gemütlich machen.

Die Mein Schiff 1 ist nicht das modernste Schiff auf den Weltmeeren. Dafür hat die alte Lady einige Orte mit besonderem Charme. Die Aussichtbar im Heck auf Deck 7 ist ein solcher. Es darf geraucht werden und natürlich versammelt sich abends hier das kommunikative Völkchen der Raucher. Für einen Nichtraucher war ich sehr oft in der Aussichtbar – hier haben wir die nettesten Menschen getroffen und die besten Cocktails getrunken. Alle Cocktails an Bord sind überraschend stark. Sie werden überwiegend mit 5 und 3 cl gemixt. Welche Idee dahinter steckt, konnte ich nicht herausfinden – für ein All Inclusive Konzept finde ich es sehr ungewöhnlich. Ich persönlich mixe Cocktails mit weniger Alkohol. So lautete auch der Tipp der freundlichen Dame hinter der Blauen Welt Bar. Ihr Lieblingscocktail stand nicht auf der Karte, verraten hat sie ihn mir trotzdem – Licor 43 Sour.

Im Restaurant Atlantik sorgt ein Heer von Stewards, Getränkestewards und Oberkellnern für einen reibungslosen Ablauf. Die Logistik eines gesetzten Essens für 1000 Personen beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Der Gast hat die Wahl zwischen einem sogenannten „Schlemmermenü“ und dem „Ganz schön Gesund Menü“. Die einzelnen Menüpunkte lassen sich beliebig austauschen. Die größte Überraschung der Küche war für mich eine kalte weiße Tomatensuppe, die ich unbedingt im Sommer nachkochen möchte, wenn es aromatische Freilandtomaten gibt.

Weitere Empfehlungen auf dem Schiff sind die Naschbar, das Sylter Fischrestaurant Gosch und der sehr schöne Spa-Bereich. Schade dagegen finde ich, dass man den Bug vor der X-Lounge nur zum Ablegen des Schiffs betreten darf und auch sonst nirgends an die Spitze des Schiffes kommt, nicht einmal für das berühmte „König der Welt“ Fotomotiv aus Titanic. Am Pool wurde mir persönlich etwas zu viel entertaint. Aber für den Badespaß sind ja auch die Landgänge da – doch oft sind die Häfen und das Hinterland zu interessant, um einfach nur die Füße in den Atlantik zu halten. Hier einige Empfehlungen für Tage an Land.

Auf Madeira bietet Mountain Expedition verschiedene Landrover Touren abseits der Straßen an. Vielen Dank an João, unseren Guide, von dem wir viel über Madeira und seine Bewohner erfuhren. Ein Auto zu mieten, ist auch eine Option, aber vermutlich ist man fix und fertig nach diesem Tag. Denn auf ihren schmalen und steilen Gassen mutieren die sonst so gelassenen Portugiesen zu Rennfahrern. Es gibt traumhafte Ausblicke und pittoreske Fischerdörfer zu entdecken. Auf dem Lande baut fast jeder auf winzigen Terrassenbeeten Gemüse an. Jetzt am Ende des Winters ist überall Kohl zu sehen, der mich sofort an ein leckeres Portugiesisches Rezept erinnerte – Caldo Verde.

Funchal ist eine bezaubernde Stadt, die mit einem gepflegten Zentrum und vielen Parks und Cafés zum entspannten Bummeln einlädt. Besonders sehenswert ist die Markthalle. Auf zwei Etagen bekommt man alles, was das Touristenherz begehrt. Besonders lecker sind die herrlichen Früchte der Insel – Maracuja in 10 Geschmacksrichtungen, aromatisches Trockenobst und die kleinen fruchtigen Bananen – allerdings auch alles zu einem Touristenpreis. Auf dem Dach der Halle lädt ein ausgesprochen gemütliches Café zum Verweilen ein.

Mit Früchten, Käse und frischem Brot hat man alles beisammen für ein Picknick im Botanischen Garten von Funchal. Er gehört zu den schönsten der Welt und ist am bequemsten mit der Kabinenbahn zu erreichen. An die Markthalle angeschlossen, ist der Fischmarkt. Von der Treppe aus lassen sich die Händler bei der Arbeit gut beobachten. Besonders imposant ist ein Tiefseefisch, der Espada, auch schwarzer Degenfisch genannt. Er lebt in den Tiefen des Nordatlantiks. Nachts steigt er ins freie Wasser auf und sinkt morgens wieder ab. Gefischt wird er mit einer Angelleine von 1.500 m Länge, an der bis zu 50 Hilfsangeln hängen. In der Tiefe ist der Espada kupferfarben. Erst durch die schnelle Druckveränderung beim Fang  wechselt seine Farbe zu schwarz. Leider hatten wir keine Gelegenheit, ihn zu probieren. Das ist ein sehr guter Grund, wiederzukommen und länger zu bleiben.

La Palmas charmante Hauptstadt Santa Cruz ist klein. Steil schmiegen sich bunte Häuser an den Hang. Schon wenige Schritte die Treppen hinauf und man ist allein mit den Bewohnern des Städtchens. Im touristischen Zentrum warten schöne Cafés und besondere Läden auf Gäste. Dort betreiben zwei Damen aus Deutschland das  Schmuckgeschäft „Christina“. Sie haben sich auf Schmuck aus Lavastein spezialisiert, wie man ihn überall auf den Kanaren findet. Und doch sind die Kreationen aus dem liebevoll geführten Laden ein wenig individueller. Vielleicht liegt es daran, dass die beiden Geschäftsfrauen anbieten, das Stück, welches einem vorschwebt, gleich anzufertigen.

Teneriffas sehenswerte alte Hauptstadt  La Laguna versteckt sich ein wenig im Landesinneren – in früheren Zeiten sinnvoll, um vor den häufigen Piratenübergriffen geschützt zu sein. Heute steht das Zentrum der Stadt unter dem Schutz der Unesco. Ein Ausflug dorthin lohnt sich, aber bei einem eintägigen und ersten Besuch der Insel werden die meisten wohl wie wir zum Vulkan El Pico del Teide fahren. Zurück in einer der kleinen Bars an der Küste genießt man den Kanarischen Klassiker überhaupt – Papas arrugadas mit roter und grüner Mojo.

Auf Fuerteventura habe ich einen absoluten Lieblingsort im Westen der Insel – Los Molinos, ein Fischerort, der aus der Zeit gefallen scheint. Coralejo im Norden ist das Gegenteil von Los Molinos. Trotz vieler Touristen hat die kleine Altstadt ihren Zauber. Hier kann man besonders lecker, aber nicht unbedingt preiswert essen. Den besten und günstigsten Fisch bekommt man meiner Meinung nach in der einfachen Kantine, die an die Fischereikooperative im Hafen angeschlossen ist. Dort gibt es die leckersten frischen Sardinen vom Grill. Der Einfluss vieler Nationen, die auf den Kanaren zusammenkommen, spiegelt sich in einer interessanten Crossover Küche. Hier wird mutig kombiniert was man sonst selten zusammen findet, zum Beispiel mit Ziegenkäse überbackene Garnelen.  Nicht so experimentell, aber immer lecker sind frische Garnelen in Knoblauchöl, mit denen man sich das Urlaubsfeeling auch zu Hause noch erhalten kann.

 

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