Jacaranda Malmesbruy

Südafrika 2016

Wieder November, wieder Südafrika – so fern, so gut. Dieses Mal keine große Rundreise, einfach nur im Western Cape das gute Wetter, das gute Essen und die gute Laune genießen. Die kleine Runde beginnt nach einem entspannten …

… Nachtflug vormittags in Cape Towns Norden, am Bloubergstrand. Zwar wurde hier viel gebaut von mehr bis weniger gelungen. Aber immer noch hat man hier den spektakulären Blick auf den Tafelberg, den Signal Hill und den Lion´s Head, der viele Kalendertitelblätter füllt. An der Küste entlang geht es dann nach Yzerfontein, einem wunderbar verschlafenen Städtchen an der Westküste.

Reiseempfehlung Südafrika

Wir wohnen besonders nett bei René im Kaijaiki Country Inn and Restaurant. René und seine Frau Mary Ann verwöhnen uns mit Fisch und Lamm am Abend und Pfannkuchen, Charme und guten Tipps rund um die Uhr. Den Tag verbringen wir im West Coast National Park, der auch außerhalb der Blumenblüte zu empfehlen ist. Die Farbe des Meeres ist hier grün und mischt sich besonders schön mit den weißen Dünen. An der Küste entlang gibt es die berühmten rustikalen Strandrestaurants „Strandlooper“ und „Strandkombuis“. Man bezahlt einen Pauschalpreis und kann sich vom Grill und aus den Töpfen nach Herzenslust bedienen. Im Shop des nahegelegenen Kulturzentrums „!Kwathuu“, welches sich der Bewahrung der Kultur der Ureinwohner widmet, kaufe ich ein Buch mit Heilkräuterrezepten der San. Ich kann es kaum glauben, aber das Büchlein kostet nur wenige Euro und ist doch so viel wert.

Den Weg nach Franschhoek machen wir zur Genussroute. Den Auftakt bildet die Olivenfarm Darling, von der sich später herausstellt, dass unsere Freundin Ann hier aufwuchs. Allerdings war es vor 50 Jahren eine klassische Farm mit Gemüse und Hühnern. Olivenbäume gab es damals am ganzen Kap nur sehr wenige. Die Verkostung macht Spaß und wir kaufen leckere Olivenprodukte. Darling hat seit Neuestem auch eine berühmte Brauerei. Für eine Bierverkostung ist es uns aber doch noch zu früh. Auf Anraten Renés fahren wir nach Fairview, um die Käsevielfalt der Farm kennenzulernen. Das hier ist Big Business – aber der Käse ist in der Tat baie lekker. Den landschaftlichen Höhepunkt auf der Route bildet der Helshoogte Pass mit dem Örtchen Pniel.

In Franschhoek wohnen wir direkt in der Mainstreet, die wegen des zunehmenden Tourismus ein wenig Flair eingebüßt hat. Es ist schwierig bis unmöglich, abends einen Tisch im Restaurant zu bekommen, wenn man nicht reserviert hat. So landen wir zweimal bei der Filiale von Col´Cacchio, der südafrikanischen Pizzakette. Unkompliziert können wir uns eine super leckere Pizza teilen und auch die Cocktails sind hervorragend. Ein kleiner Dessertunfall wird entschuldigt und muss auch nicht bezahlt werden. Immer noch sehenswert in Franschhoek sind die vielen Galerien, die weiße Kirche und neben der Hauptstraße liegen kleine Perlen wie der Bookstore „The Treasure House“ mit gebrauchten Büchern, den wir an einem Tag dreimal besuchten. Mein Buchtipp: Cooking for Birds mit Rezepten und DIY Anleitungen – auch hierzulande werden sich die Vögel über liebevoll angerichtetes vogelgerechtes Futter freuen.

Als Tagesausflug bietet sich ein Tipp von Mary Ann an. Sie sagte uns, fahrt nicht auf irgendein Weingut, besucht das Beste. So besichtigen wir bei Traumwetter „Babylonstoren“ – nicht einfach ein Weingut, eine working Farm von sagenhafter Größe und Schönheit. Egal, ob man Weinfan ist oder nicht, hier kann man gut den ganzen Tag verbringen. Beim Essen im „Greenhouse Restaurant“ kommt eine Schildkröte zum Lunch vorbei. Die Olivenhaine, Rebstöcke und Obstplantage sind beeindruckend aber auch die Kräuterbeete und natürlich gibt es eine exklusive Weinprobe.

Natürlich sollte man über die Küstenstraße nach Hermanus fahren, wer die aber noch an einem anderen Tag geplant hat, nimmt den Weg über den Franschhoek Pass und Grabouw. Hier kann man sich im wunderbaren Peregrine Farmstall mit allem eindecken, was man für ein zünftiges Braai oder Picknick braucht oder zumindest einen Kaffee genießen. Hermanus ist im Laufe der Jahre vom verschlafenen Städtchen zum Tourismus Hotspot geworden, zu Recht, denn die Lage zwischen Bergen, Lagunen und Meer ist einfach nicht zu toppen. Etwas außerhalb von Hermanus wohnen wir bei Freunden und hier ist es verschlafen wie eh und je.

Am Abend gibt es ein Hühnchen aus dem Bratschlauch, welches man so fix und fertig bei Woolworth kaufen kann. Es schmeckt hervorragend. Schade, dass ich das nicht bei Rewe um die Ecke finden kann. Am nächsten Morgen geht es zu viert in den Bontebok Nationalpark bei Swellendam, ein kleiner Park ohne Big Five, dafür mit den wunderschönen Buntböcken, die ohne den besonderen Schutz schon ausgestorben wären. Fürs abendliche Braai besorgen wir Boerewors, Chiabatta, Salat und Wein in Swellendam bei Checkers. Nach dem Grillen genießen wir die unendlich vielen Sterne und lassen uns von den Gerüchen und Geräuschen der Nacht tief in die Seele Afrikas entführen.

Zurück nach Hermanus fahren wir über Bredasdorp. Wer noch nicht hier war, sollte von hier aus ans Cape Aghulas weiterfahren – dem Punkt, wo Atlantischer und Indischer Ozean wirklich zusammenkommen. Wir besuchen das Shipswreckmuseum mit seinem schönen Garten. Ein Must See auf dem Weg zurück ist auch De Kelders. Besonders schön ist immer wieder der Blick von der Terrasse des Restaurants „Over the Rock“. Auf der Weinkarte finden wir Weine der ortsansässigen Farm Springfontein. Auf der Farm haben wir 2002 Station gemacht und der Farmer erklärte uns, dass er es mit Wein versuchen wird. Soweit südlich hat es noch keiner gewagt. Schön, dass es geklappt hat.

Zurück nach Cape Town geht es über Pringle Bay und Bettys Bay mit seinen putzigen Pinguinen. Sea Point hat sich nicht verändert. Ich liebe das Schwimmbad an der Strandpromenade. Es ist immer sehenswert, ob quirlig und laut am Tage oder von Vögeln besucht und ganz still am Abend. Gut dass es heute regnet, so erleben wir an der Waterfront einen magischen Moment auf dem Riesenrad – einen Regenbogen über dem Meer und den Sonnenuntergang über dem Tafelberg zur gleichen Zeit.

Zweimal in dieser Woche essen wir in Sea Point im „La Boheme“ Bistro. Die Bedienung ist top, das Essen hervorragend, alles zu einem guten Preis und ganz ohne Reservierung. Sea Point kann aber auch richtig teuer, das erleben wir im La Mouette. Hier entscheide ich mich für das Tasting Menu – so bekomme ich sechs Gänge und die Weinbegleitung – Hmm lekker!

Ganz anders aber müssen viel zu viele Menschen der Stadt essen. Auch 20 Jahre nach Ende der Apartheid schreit die ungerechte Verteilung immer noch zum Himmel. Im Township Langa bereiten Frauen tagsüber über offenem Feuer Hammelköpfe zu, die die Bewohner am Abend, wenn sie von ihren Jobs aus der Innenstadt zurückkehren, kaufen. Zusammen mit Hühnerresten für viele die einzige Eiweißquelle. Dass es trotz der unglaublichen Armut auch sehr lebendig und fröhlich zugeht erlebt man bei einer Townshiptour. Bitte nur mit ortskundigen Freunden oder im Rahmen einer geführten Tour. Dieses Mal besuchen wir Langa und Gugulethu mit einer geführten Tour. Inbegriffen ist der Besuch des District Six Museums. Ein eindrucksvoller Ort, der an die Vertreibung der Bevölkerung aus dem multikulturellsten Viertel der Stadt vor 50 Jahren erinnert. Genau zu unserem Besuch erschien das zauberhafte Buch District Six Huis Kombuis mit Rezepten, Fotos und Erinnerungen ehemaliger Bewohner.

Am Tag danach besuchen wir noch ein Township, Dunoon im Norden der Stadt. Wir holen Freunde ab, um einen Ausflug ans Kap der Guten Hoffnung zu machen. Es werden zwei großartige Tage, besonders weil unsere Freunde das freundlichste Baby der Welt haben. Egal wo wir aufkreuzen, unser Baby sorgt für strahlendes Lächeln, egal ob bei dem zuvor grimmig schauenden Fischer oder der Touristin in der Schlange zur Seilbahn. Wir übernachten in Kommetje und wieder wird gegrillt. Alles was wir brauchen, bekommen wir im örtlichen Supermarkt. Immer wieder aufs Neue überrascht mich die Angebotsbreite und Qualität der Produkte in den kleinsten Städten Südafrikas. Natürlich gibt es wieder Boerewors und Steak aber auch original afrikanisches Chakalaka und Melie Pap.

Am nächsten Tag steht der Besuch des angesagten Stadtteils Woodstock an. Hier ist es ganz wunderbar. Vermutlich staunt auch der alte Kioskbetreiber jeden Tag, wo er plötzlich reingeraten ist, wenn junge Mädchen aus aller Welt bei ihm Cola und Äpfel kaufen. Der empfohlene Markt „Old Biscuit Mill Market“ ist mir allerdings schon ein wenig zu hip. Es ist kaum ein Durchkommen möglich. Wir entscheiden uns fürs Mitnehmen der Leckereien und machen Picknick in Green Point.

Und schon ist wieder ein letzter Tag da. Großartig, das Angebot unseres Gästehauses, abends duschen zu können. So können wir den letzten Tag noch mal ein volles Touri Programm starten, ohne zu befürchten, andere zu belästigen. Also auf geht’s: Camps Bay, Kalk Bay, Groot Constantia, Waterfront und natürlich ein Abschlussspaziergang auf der Strandpromenade von Sea Point. Die Capetonians rüsten sich für den Sommer und wir zögern die Minuten hinaus, denn uns erwartet der Winter. Bye Bye, Totsiens, Hamba Kakuhle!

Buchempfehlungen Südafrika:

Gathering Fynbos Ethnobotany of the San !Khwa ttu, info@khwattu.org
Cooking for Birds, Diane Ward ISBN 978-1-77007-076-9
Cobra, Deon Meyer
District Six Huis Kombuis

 

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